Billig-Zahnersatz, Zahnersatz-Auktionsportale, Auslands-Zahnersatz

Zahnersatz ist keine Massenware
Heute, wo Ernährung, Fitness, Schönheit und Gesundheit so wichtig sind, ist es sicherlich nicht angezeigt, beim Thema Gesundheit Kompromisse einzugehen und am falschen Platz sparen zu wollen.

Zahnersatz-Auktionsportale
Für Therapie-Empfehlung reicht Heil- und Kostenplan nicht -
Heil- und Kostenplan ersetzt nicht die persönliche Kenntnis über den Gebisszustand

Billig kann teuer werden
Zahnsanierung im Ausland: Bei Rechtsfragen steht der Patient oft allein!
Wer mit dem Gedanken liebäugelt, sich im Ausland mit Zahnersatz versorgen zu lassen, muss allerdings an mehr denken als an Badehose und Sonnenmilch. "Treten Probleme auf, steht der Patient meist allein", weist das Kuratorium perfekter Zahnersatz auf die schwierige Durchsetzung von Schadensersatz und Schmerzensgeldansprüchen bei Behandlungsfehlern hin.

Geld, Preise und Schnäppchen

Studie des MDK zum ausländischen Zahnersatz
Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung Rheinland-Pfalz (MDK RLP) hat in Zusammenarbeit mit dem Institut für Biometrie, Epidemiologie und Informatik der Universität Mainz (IMBEI) erstmalig in einer Studie die Qualität zahnärztlich-prothetischer Versorgungen in EU-Ländern bzw. im Ausland begutachtet.

Leserbrief
Oft nur Pfusch "Geiz ist geil" - nur auf Kosten der Kassenpatienten?

Warum Preisvergleiche fast unmöglich sind - Große Preise - kleine Preise
Wie teuer wird die Behandlung? Für Patienten, die sich für Zahnersatz entschieden haben, der finanziell über die Grundversorgung hinausgeht, ist das natürlich eine wichtige Frage. Doch sind Preise für Zahnersatz vergleichbar? Woher kommen die teilweise großen Preisspannen?

Internet-Auktionsportale für Zahnersatz
Stiftung Warentest misst Auktionsportale für Zahnersatz: Die Qualität wurde nicht getestet.
Der sogenannte Test der Stiftung Warentest ist ein trauriges Beispiel dafür, dass eine Ankündigung nicht das hält, was sie verspricht. Denn er erfüllt auch nicht annähernd die Kriterien eines Qualitätstests: Qualität wurde nicht getestet. Ein unkritischer Leser wird hier aber leicht getäuscht, da er ja bei Stiftung Warentest die Testung von Qualität erwartet. Warum aber spielte Qualität bei diesem Test keine Rolle?

Schwerste Mängel bei Zahnersatz aus Osteuropa
Sollte man sich in Deutschland mit Zahnersatz versorgen lassen? Oder billigere Versorgungen aus dem Ausland wählen? Osteuropäische Anbieter punkten tatsächlich oftmals mit niedrigeren Preisen. Doch Experten wie der Marburger Prof. Dr. Klaus Lehmann warnen.

 

 

 

 

 

 

Zahnersatz ist keine Massenware
Heute, wo Ernährung, Fitness, Schönheit und Gesundheit so wichtig sind, ist es sicherlich nicht angezeigt, beim Thema Gesundheit Kompromisse einzugehen und am falschen Platz sparen zu wollen.

Bei Schlagworten wie "günstig, billig, preiswert" oder gar Rechenexempeln wie "Zahnersatz zum Nulltarif" sollten Sie skeptisch sein. Hierbei sind gerade Empfehlungen mancher Krankenkassen, die Anbieter von billigem, aus dem In- bzw. Ausland - meist aus Fernost importierten - Zahnersatz bewerben, kritisch zu hinterfragen. Dem Versicherten wird dabei empfohlen, seinen Zahnarzt auf Zahnersatzbezug aus solchen Laboratorien bzw. Handelsgesellschaften anzusprechen oder gar den Behandler zu wechseln. Scheinbare "Billiglösungen" bedeuten oft, dass hier weder Sie noch Ihr Zahnarzt auf die Produktion und Individualität Einfluss nehmen können. Denken Sie auch an den Fall, wenn es zu Problemen kommen sollte: Deren Behebung kann möglicherweise physisch und finanziell schmerzlich sein und am Ende vielleicht sogar mehr kosten als nur Zeit und Ihr Geld.

 

Zahnersatz-Auktionsportale: Für Therapie-Empfehlung reicht Heil- und Kostenplan nicht,
Heil- und Kostenplan ersetzt nicht die persönliche Kenntnis über den Gebisszustand

(za) Seit einiger Zeit besteht die Möglichkeit, dass Patienten ihren Heil- und Kostenplan für Zahnersatz in spezielle Auktionsportale einstellen. Zahnärzte können dann dazu ein Angebot abgeben. "Ohne persönliche Kenntnis des Gebisszustandes des Patienten kann kein verbindliches und fachlich fundiertes ‚Vergleichsangebot' abgegeben werden", warnt Professor Dr. med. Klaus Lehmann, wissenschaftlicher Leiter des Kuratoriums perfekter Zahnersatz. "Ein Heil- und Kostenplan für Zahnersatz reicht dafür definitiv nicht aus."

Der Heil- und Kostenplan weist nach Angaben Lehmanns lediglich diejenigen Angaben auf, welche für die gesetzliche Krankenkasse erforderlich sind, um den Heil- und Kostenplan zu bearbeiten. Bei diesem so genannten "Kassenbefund" handelt es sich um einen stark vereinfachten Zahnbefund, der bei weitem nicht alle Patienten-Daten enthält, die der behandelnde Zahnarzt persönlich erhoben hat und die ihn zu seiner Therapieentscheidung veranlasst haben. Dazu gehören neben der Erwartungshaltung des Patienten Angaben zu dessen Mundhygiene, zum allgemeinen Gesundheitszustand und zu persönlichen Merkmalen, beispielsweise einer Allergie gegen ein bestimmtes Material. "Gewohnheiten des Patienten, wie etwa Knirschen oder Pressen mit den Zähnen, werden nicht erfasst. Außerdem fehlen Einzelheiten zur Zahnhartsubstanz: Welches Ausmaß hat die Karies? Sind Abriebspuren, keilförmige Defekte, Schliff-Facetten, Schmelzrisse oder Ähnliches vorhanden? All dies ist dem Internet-Anbieter nicht bekannt", erläutert Lehmann.

Auch über die Zahnstellung, den Zustand der Mundschleimhaut, die Vitalität der Zähne, die Qualität eventuell vorhandener Wurzelfüllungen und die Beschaffenheit des Zahnhalteapparates werden keine Angaben gemacht. Und schließlich fehlen auch Informationen zum Zustand der Kaumuskulatur und des Kiefergelenkes sowie die funktionellen Parameter des Gebisses. Dem "Mitbewerber" stehen darüber hinaus weder die zur fachlich korrekten Planung eines Zahnersatzes erforderlichen Gebissmodelle noch die zur prothetischen Planung ebenso wichtigen Röntgenbilder zur Verfügung.

Unpersönliches Angebot kann zu Lasten des Patienten gehen
All diese Unterlagen und Faktoren beeinflussen die Therapieentscheidung, sie sind aber einem Heil- und Kostenplan nicht beigefügt oder ihm nicht zu entnehmen. "Dies bedeutet, dass alleine aufgrund des Heil- und Kostenplanes kein verbindliches und fachlich fundiertes Vergleichsangebot erstellt werden kann", resümiert Lehmann. Es sei daher durchaus möglich, dass Mitbewerber bei ihrem Vergleichsangebot, aufgrund der unvollständigen Kenntnis der tatsächlichen Sachlage, zu einer Fehlentscheidung kommen. "Zu Lasten der Gesundheit des Patienten", wie Lehmann betont. Ein fachlich fundiertes Vergleichsangebot im Sinne des Einholens einer "zweiten Meinung" setze immer voraus, dass derjenige, der um seine zweite Meinung gebeten werde, den Patienten persönlich untersucht habe. Viele Zahnärzte lehnen daher die unpersönliche Angebotsstellung via Auktionsportal ab, denn sie halten sie für nicht vereinbar mit ihrem Bestreben nach medizinisch verantwortungsvoller und patientenorientierter Arbeit.

Enge Zusammenarbeit von Zahnarzt und Zahntechniker sichert hohe Qualität
Zahnersatz, der in Deutschland angefertigt wird, muss umfangreichen Sicherheitsstandards genügen. Außerdem bestehen zwischen dem behandelnden Zahnarzt und dem Dentallabor in den meisten Fällen jahre- oder jahrzehntelange Verbindungen ständiger Zusammenarbeit. Diese gewachsenen Beziehungen ermöglichen eine einfache Abstimmung, die der Qualität des individuell gefertigten Zahnersatzes zugute kommt. Lehmann dazu: "Je sorgfältiger und je zuverlässiger die ‚Schnittstellen' zwischen Zahnarzt und Dentallabor funktionieren, desto besser wird das Endergebnis." Und zwar auch und gerade im Sinne eines Langzeiterfolges.

(Quelle: Kuratorium perfekter Zahnersatz; Zahnersatz aktuell Nr. 7 / 2006)

 

Billig kann teuer werden
Zahnsanierung im Ausland: Bei Rechtsfragen steht der Patient oft allein

Wer mit dem Gedanken liebäugelt, sich im Ausland mit Zahnersatz versorgen zu lassen, muss allerdings an mehr denken als an Badehose und Sonnenmilch. "Treten Probleme auf, steht der Patient meist allein", weist das Kuratorium perfekter Zahnersatz auf die schwierige Durchsetzung von Schadensersatz und Schmerzensgeldansprüchen bei Behandlungsfehlern hin.

Einheitliches Arzthaftungsrecht besteht nicht
Ein einheitliches europäisches Arzthaftungsrecht besteht nicht. Grundsätzlich kann zwar ein Gutachten oder eine Schlichtung bei einer deutschen Landeszahnärztekammer beantragt werden. Die deutschen Behörden haben aber keinerlei Einfluss auf die Bereitschaft des Arztes zur Mitwirkung. An einer Schlichtungsverhandlung wird ein ausländischer Arzt alleine auf Grund der räumlichen Entfernung nicht teilnehmen. Zuständig sind - wenn keine abweichenden Vereinbarungen getroffen wurden - die Gerichte vor Ort. Viele Berichte zu diesem Thema beruhigen Patienten mit dem Hinweis darauf, dass das Medizinproduktegesetz europaweit gilt. Dazu Professor Klaus Lehmann vom Kuratorium perfekter Zahnersatz: "Die Umsetzung in nationales Recht fällt recht unterschiedlich aus: In einigen Ländern ist die Überwachung sehr streng, in anderen eher lax."

Unsichere Rechtsansprüche
Noch unsicherer sind die Rechtsansprüche, wenn der Arzt nicht innerhalb der EU niedergelassen ist. Außerdem erhält, wer über die EU-Grenzen reist und beispielsweise in die Türkei oder nach Thailand zur Behandlung jettet, von den Kassen kein Geld. Private Auslandskrankenversicherungen tragen lediglich die Kosten von Notbehandlungen.

Problem: die Qualität
"Ein weiteres Problem ist die Qualität", warnt Lehmann. Eine Studie des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung Rheinland-Pfalz und des Instituts für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik der Universität Mainz, zu Ergebnisqualität und Kosteneffektivität zahnärztlich-prothetischer Versorgungen im (Nicht-EU-)Ausland, kam zu dem Ergebnis, dass lediglich rund 23 Prozent der 60 begutachteten Patienten einen zufrieden stellenden Zahnersatz erhielten. Ähnlich äußert sich 2003 eine Marktanalyse der Dänischen Bundesinnung der Zahntechniker über den Import von Zahnersatz aus Nicht-EU-Ländern. Die Qualität der Arbeiten erwies sich dabei als erheblich unterdurchschnittlich. "Muss der Patient sich erneut im Ausland behandeln lassen, kann das zunächst günstige Angebot schnell zur teuren Angelegenheit werden", rät deshalb Professor Lehmann zur Vorsicht.

Quelle: Kuratorium perfekter Zahnersatz; Zahnersatz aktuell Nr. 5/2006 (auszugsweise)

 

Geld, Preise und Schnäppchen
"Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften. Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen."

John Ruskin, Englischer Sozialreformer, (1819 - 1900)

 

Studie des MDK zum ausländischen Zahnersatz
Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung Rheinland-Pfalz (MDK RLP) hat in Zusammenarbeit mit dem Institut für Biometrie, Epidemiologie und Informatik der Universität Mainz (IMBEI) erstmalig in einer Studie die Qualität zahnärztlich-prothetischer Versorgungen in EU-Ländern bzw. im Ausland begutachtet. Dabei wurden insgesamt 185 verschiedene prothetische Versorgungen begutachtet und der im Ausland gefertigte Zahnersatz untersucht. Insgesamt wurden dabei 81 Brücken, 76 Einzelkronen, neun Teilprothesen, elf kombinierte festsitzend/herausnehmbare Versorgungen, acht Totalprothesen sowie elf Füllungen begutachtet.

Mängelfreie Versorgung lediglich bei 12 von 81 Brücken
Von den begutachteten 81 Brücken entsprachen 47 den deutschen Richtlinien für eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Versorgung, eine mängelfreie Versorgung konnte jedoch lediglich bei zwölf dieser Brücken konstatiert werden. Bei drei Brücken bestand sogar generell eine fragliche Notwendigkeit der Anfertigung.

Auffällige Mängel
Als Mängel fielen vor allem auf: deutlich tastbare Kronenränder, eine fehlerhafte, den Einschluss von Fremdbestandteilen oder Verunreinigungen (Okklusion), Frühkontakte, Hyperbalancen oder fehlende Gegenbezahnung, fehlerhafte technische Anfertigung, parodontale Pfeilerzähne, röntgenologisch nicht erhaltungswürdige Pfeilerzähne, Karies an Kronenrändern sowie die Anfertigung von Brücken mit zu vielen Brückengliedern oder zu langen Spannen.

Neuanfertigung in 53 % der Fälle als notwendig erachtet
Aufgrund der gefundenen Mängel wurde von der zahnärztlichen Gutachterin des MDK Rheinland-Pfalz eine Neuanfertigung der Zahnersatzversorgung in 53 % der Fälle (43 Brücken) als notwendig erachtet. Bei den begutachteten 76 Einzelkronen bestand bei 97 % eine fragliche Notwendigkeit für ihre Anfertigung. Hier musste konstatiert werden, dass offensichtlich im Ausland eine Überversorgung erfolgte, da bei der Nachbegutachtung ein erheblicher Zweifel bestand. In diesen Fällen lag der Verdacht nahe, dass aus ästhetischen Gründen Zähne im sichtbaren Bereich überkront wurden, welche keinen prothetischen Therapiebedarf aufwiesen. Eine zwingende Notwendigkeit für eine Neuanfertigung wegen qualitativer Mängel zeigte sich bei elf der 76 begutachteten Einzelkronen.

Fazit:
Die angefertigten Arbeiten waren vor allem bei den festsitzenden Versorgungen qualitativ unzureichend und mit nicht unerheblichen Mängeln behaftet.

Deutsche Zahnärzte können Mängel an "ausländischem Zahnersatz" ablehnen
Ungeklärt ist, wer Mängel an dem im Ausland angefertigtem Zahnersatz behebt und für die dabei entstehenden Kosten aufkommt. Deutsche Zahnärzte können eine Nachbesserung von Mängeln an "ausländischem Zahnersatz" ablehnen, so lange es sich nicht um Notfallsituationen handelt. Auch die Gesetzliche Krankenversicherung ist nicht prinzipiell verpflichtet, Mängelkorrekturen zu bezahlen.

Konformitätserklärung fehlte
Die in Deutschland notwendige "Konformitätserklärung" war in keinem der begutachteten Fälle durch den Behandler bzw. durch das anfertigende Zahnlabor im Ausland ausgestellt worden. Daher waren die im Ausland verwendeten Werkstoffe (Qualität und Menge) nicht bekannt. Dies kann bei möglichen Nachbesserungen oder Mängelkorrekturen zu Problemen hinsichtlich der verwendeten Werkstoffe führen und sogar eine fachgerechte Bearbeitung unmöglich machen.

 

Leserbrief
Oft nur Pfusch "Geiz ist geil" - nur auf Kosten der Kassenpatienten? Täglich erlebt man Hilfe suchende Zahnersatzpatienten, die sich auf Anraten ihrer Krankenkasse den Zahnersatz in Spanien, Ungarn, Polen, der Tschechoslowakei und vielen anderen Längern anfertigen ließen. Verzweifelt suchen Patienten nach einer unbeschreiblichen Odyssee um Hilfe. Fehler aller Arten: von Verfärbungen der Verblendmaterialien, unzulässigen Metallen für den Mundbereich, ästhetischen, funktionellen und schmerzhaften Fehlern bei der Herstellung des Billigzahnersatzes. Das Ganze für gutes Geld der Kassenmitglieder, die nicht eine Krankenkasse aus dem Ausland gewählt haben. Leider werden die Patienten von den Kassen danach im Stich gelassen. Eine Behebung der fehlerhaften Arbeit müssen die Patienten selbst und ohne Unterstützung ihrer Kasse im Ausland einklagen. Oft muss in Deutschland eine komplett neue Arbeit auf Kosten des ohnehin schon betrogenen Patienten angefertigt werden. Denn nun gibt die Kasse, die jahrelang die Beiträge kassiert hat, nichts mehr dazu.

Quelle: Mainzer Allgemeine Zeitung vom 2./3.12.2006 - Forum



 

Warum Preisvergleiche fast unmöglich sind - Große Preise - kleine Preise

Wie teuer wird die Behandlung? Für Patienten, die sich für Zahnersatz entschieden haben, der finanziell über die Grundversorgung hinausgeht, ist das natürlich eine wichtige Frage. Doch sind Preise für Zahnersatz vergleichbar? Woher kommen die teilweise großen Preisspannen?

Einen wirklichen Preisvergleich - ähnlich einer Handwerker-Rechnung oder einer Kfz-Reparatur - lässt eine so individuelle und persönliche Leistung wie Zahnbehandlung und Zahnersatz nicht zu. Von der Diagnose über die Planung, bis hin zur Ausführung und den eingesetzten Materialien, gibt es gravierende Unterschiede.

Patienten, die ausschließlich auf den Preis achten, gehen ein gewisses Risiko ein. Beim Abspecken des gesamten Leistungspaketes kann man vielleicht noch auf eine attraktive Ästhetik verzichten, aber der Verzicht auf hochwertige Materialien, präzise Ausführung, Funktionalität, stabile Konstruktion, birgt dann schon ein gesundheitliches Risiko in sich. "Gibt der Zahnarzt oder das Dental-Labor dem Drängen des Patienten billig zu arbeiten nach, dann hat der Patient vermeintlich billig eingekauft, aber es werden unter Umständen nicht seine Erwartungen und Ansprüche erfüllt", so Zahnarzt Dieter Krenkel .

Letztlich muss der Patient entscheiden, was Ihm seine Zahngesundheit wert ist. Der Zahnarzt berät ihn wertfrei aus medizinischer Sicht bezüglich der Vor- und Nachteile diverser Methoden und Materialien.

www.prodente.de (auszugsweise)

 

 

Internet-Auktionsportale für Zahnersatz

Internet-Auktionsportale für Zahnersatz - Testbericht der Stiftung Warentest.
Die Qualität wurde nicht getestet.

Quelle: zm - zahnärztliche Mitteilungen Nr. 17 vom 01.09.2006 (Bundeszahnärztekammer - Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Zahnärztekammern e.V. - Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung K. d. Ö. R.)

1. September 2006 - Im Juni-Heft der Stiftung Warentest (6/2006) erschien ein Test-Bericht über Internet-Auktionsportale für Zahnersatz, der auf der Titelseite des Heftes schon recht reißerisch mit "Zahnersatz-Internetauktionen - Den billigsten Zahnarzt finden" angekündigt war. Der Autor, der Hochschullehrer für den Bereich Zahnärztliche Prothetik, Propädeutik und Werkstoffkunde an der Kieler Universität ist und seinen Studenten vermitteln will, dass Qualität in der Regel ihren Preis hat, fasst hierzu seine Gedanken zusammen.

Dieser sogenannte Test der Stiftung Warentest ist ein trauriges Beispiel dafür, dass eine Ankündigung nicht das hält, was sie verspricht. Denn er erfüllt auch nicht annähernd die Kriterien eines Qualitätstestes: Qualität wurde nicht getestet. Ein unkritischer Leser wird hier aber leicht getäuscht, da er ja bei Stiftung Warentest die Testung von Qualität erwartet. Warum aber spielte Qualität bei diesem Test keinerlei Rolle?

Unter medizinischen Gesichtspunkten steht und fällt die Qualität einer zahnärztlich-prothetischen Therapie mit der qualifizierten Behandlungsplanung, die eine adäquate Befunderhebung und Diagnostik voraussetzt. Dass einige wenige Zahnärzte Heil- und Kostenpläne im Internet unterbieten und sich damit auf die Planung eines unbekannten Kollegen verlassen, spricht nicht für, sondern eher gegen sie.

Nicht belegt
Wenn die Stiftung Warentest in dem Beitrag behauptet, es handele sich bei den angebotenen Versorgungen um "vergleichbare zahnprothetische Versorgungen des gehobenen Niveaus", so ist dies durch nichts belegt. Genauso gut könnte die Stiftung demnächst über Warenprodukte ohne Testung urteilen "vergleichbare Waschmaschinen auf gehobenem Niveau, denn sie alle waschen Wäsche", oder "vergleichbare Autos auf gehobenem Niveau, denn sie alle haben vier und nicht drei Räder". Mit Qualitätstestung, wie man es bisher von Stiftung Warentest gewohnt war, hätte das aber nichts mehr zu tun.

Stiftung Warentest schreibt, dass sich die "Kostensenkungen überwiegend bei den Material- und Laborpreisen erreicht" wurden und deutet an, dass hier im Ausland hergestellter Zahnersatz eine Rolle spielte. Wissenschaftlich wurden Qualitätsunterschiede zwischen in- und ausländischem Zahnersatz nur unzureichend untersucht, aber die in der Schweiz publizierten Daten zu Zahnersatz aus Ungarn zeigten, dass dieser erschreckend häufig nicht die angestrebten Qualitätskriterien erfüllte. [Siehe dazu: Joss A, Christensen MM, Jakob S, Oberholzer G, Lang NP: Qualität von zahnärztlich-prothetischen Versorgungen im Vergleich - Schweiz/Ausland, speziell Ungarn. Acta Med Dent Helv 1999;4:77-85]. Langfristige Folgekosten minderer Versorgungsqualität sind zu erwarten, aber natürlich schwer abschätzbar.

Offene Fragen Den Autor drängt aber auch die Frage, wer eigentlich diese schätzungsweise 600 Zahnärzte sind, das heißt, etwa ein Prozent der deutschen Zahnärzte, die ihre Kollegen mit Niedrigpreis-Zahnersatz unterbieten. Haben diese nicht genügend eigene Patienten, die sich aufgrund positiver Empfehlungen aus der eigenen Patientenklientel rekrutieren? Woran könnte dies liegen? Hätte Stiftung Warentest hier nicht die Qualifikation dieser Zahnärzte zum Beispiel anhand von Examensnoten, Berufserfahrung, nachweisbaren fachlichen Qualifikationen oder nachgewiesenen Fortbildungen oder Ähnlichem zumindest ansatzweise evaluieren können?

Die Qualität von Zahnersatz zeigt sich in der Regel erst nach vielen Jahren: Gute Kronen und Brücken halten im Schnitt 20 bis 25 Jahre. Was hilft da die Aussage von Stiftung Warentest, die "Patienten waren meist zufrieden"? Die Frage ist doch, werden sie es auch nach vielen Jahren noch sein?

Stiftung Warentest hat gemäß dem Motto "Geiz ist geil" getestet - zahnmedizinische Versorgungsqualität spielte keine Rolle. Ob Patienten bei diesem ein Prozent der Zahnärzte im Schnitt bei den eher Besseren oder eben doch bei den eher Schlechteren landen, das wäre aber in der Tat eine Untersuchung wert. Aus Patientensicht wäre mir ein unausgelasteter Zahnarzt, der seine Patienten quasi mit Preisdumping (Zahnersatz aus Niedriglohn-Ländern - wer beklagt sich über Arbeitslosigkeit in Deutschland?) im Internet einzufangen versucht, doch eher verdächtig.

Prof. Dr. Matthias Kern
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein - Campus Kiel
Klinik für Zahnärztliche Prothetik, Propädeutik und Werkstoffkunde
Arnold-Heller-Str. 16
24105 Kiel

Teilweise wurde dieser Beitrag im August-Heft der Stiftung Warentest in Form eines (stark gekürzten) Leserbriefes abgedruckt.

Quelle: zm - zahnärztliche Mitteilungen Nr. 17 vom 01.09.2006 (Bundeszahnärztekammer - Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Zahnärztekammern e.V. - Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung K. d. Ö. R.)

 

Schwerste Mängel bei Zahnersatz aus Osteuropa

(za) Sollte man sich in Deutschland mit Zahnersatz versorgen lassen? Oder billigere Versorgungen aus dem Ausland wählen? Osteuropäische Anbieter punkten tatsächlich oftmals mit niedrigeren Preisen. Doch Experten wie der Marburger Prof. Dr. Klaus Lehmann warnen.

Vergleiche sind nach Meinung der Experten schwierig, da in Deutschland nach einem hohen Qualitätsstandard gearbeitet wird. Bei ausländischen Anbietern sei das aber keinesfalls immer so, meint Lehmann und verweist auf eine Studie über die Qualität von in Ungarn hergestelltem Zahnersatz. Da ist gar von "schwersten Mängeln" die Rede. Die Untersuchungen von Professor Dr. N. P. Lang an der Klinik für Parodontologie, Kronen und ?Brückenprothetik der Universität Bern definierten die zahnmedizinischen Leistungen mit einem Qualitätsstandard von A bis E. A entsprach einer ausgezeichneten Arbeit, Standard E charakterisiert schwerste Mängel, "die als Verstümmelung bezeichnet werden mussten". Ergebnis: Standard A und B konnten für ungarische Arbeiten nicht vergeben werden. C-Leistungen waren lediglich 20 Prozent erbracht. Standard D erhielten 41 Prozent und Standard E 39 Prozent.

Überdies betont Prof. Lehmann die Notwendigkeit regelmäßiger Nachsorge und die Anpassung des Zahnersatzes an veränderte Kiefer- und Schleimhautverhältnisse. Diese seien medizinisch notwendig, um die gute Funktion und die lange Tragedauer des Zahnersatzes zu erhalten. Außerdem biete Zahnersatz, der in deutschen Meisterlabors hergestellt wird, alle Sicherheiten: rechtlich abgesicherte Garantien, ausschließliche Verwendung von erprobten und nachprüfbaren Materialien mit CE-Zeichen und schnelle Wege bei den Reparaturen. Nach Meinung von Prof. Lehmann ist auch die räumliche Nähe von Zahnarzt und Zahntechniker ein ganz wichtiges Argument dafür, Zahnersatz nicht im Ausland anfertigen zu lassen.

Der Fachmann macht auch noch eine ganz andere Rechnung auf: "Die Qualität von deutschem Zahnersatz ist weltweit führend. Das wirkt sich auch positiv auf die Haltbarkeit aus." Die betrage im Durchschnitt 15 Jahre, meint der Zahnmediziner. Und das schone nicht nur die verbleibenden Zähne, weil der Bohrereinsatz eine erkleckliche Zeitspanne vermieden werden könne, sondern senke, pro Jahr gerechnet, die Kosten erheblich. "Ganz abgesehen von den persönlichen Einschränkungen, die eine längere zahnmedizinische Behandlung im Ausland für den Einzelnen bedeuten kann", argumentiert Prof. Lehmann.

Quelle: Kuratorium perfekter Zahnersatz, Pressedienst Nr. 1 / 2005 - Mai 2005

 

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